Es gibt einen Moment, den jeder kennt, der schon einmal einen städtischen Empfang organisiert hat. Die letzte Urkunde ist überreicht, der Fotograf hat sein Gruppenbild, der Bürgermeister bedankt sich und sagt den Satz, der das Protokoll beendet: „Und nun lade ich Sie herzlich ein, den Abend bei einem Glas Wein ausklingen zu lassen.“
Dann passiert – nichts.
Die Geehrten stehen mit ihren Urkunden in der Hand da, die Ratsmitglieder sprechen mit Ratsmitgliedern, die Vereinsvorstände mit Vereinsvorständen, und nach zwanzig Minuten sind die Ersten an der Garderobe. Der offizielle Teil war bis zur Minute geplant. Der Teil danach, in dem eigentlich das passieren sollte, wofür man die Leute eingeladen hat, war es nicht.
Dieser Artikel handelt von diesem zweiten Teil: was dort funktioniert, was nicht – und wann man besser gar nichts programmiert.
Warum eine kommunale Veranstaltung anders funktioniert als eine Firmenfeier
Ich trete regelmäßig auf Firmenfeiern auf, und ich trete auch für öffentliche Auftraggeber auf. Es sind zwei verschiedene Aufgaben. Vier Unterschiede sind dabei entscheidend:
Das Publikum ist nicht eine Gruppe, sondern fünf. Auf einer Firmenfeier sitzt eine Belegschaft, die sich kennt. Bei einem Bürgerempfang sitzen im selben Saal: geehrte Ehrenamtliche und ihre Familien, Rat und Verwaltung, Vereins- und Wehrführungen, Vertreter von Kirchen, Schulen und Unternehmen, oft die örtliche Presse. Vom Jugendfeuerwehrmitglied bis zur pensionierten Schulleiterin. Was diese Gruppen gemeinsam haben, ist nicht der Humor und nicht das Alter, sondern der Ort, an dem sie leben.
Das Protokoll ist kein Ablaufplan, sondern eine Reihenfolge mit Bedeutung. Wer wann spricht, wer wen begrüßt, in welcher Reihenfolge geehrt wird – das ist nicht verhandelbar und sollte es auch nicht sein. Ein Programmpunkt, der sich zwischen diese Ordnung drängt, stört nicht nur den Abend. Er wirkt respektlos.
Es ist öffentliches Geld. Jeder Posten kann im Rat zur Sprache kommen, und es gibt Organisationen, die genau danach fragen. Das ist kein Hindernis, sondern eine Anforderung an die Begründung: Ein Programmpunkt muss erklärbar sein – nicht als „Unterhaltung“, sondern als etwas, das der Veranstaltung dient.
Die Ehrung ist der Zweck, nicht der Rahmen. Auf einer Firmenfeier ist das Programm oft der Höhepunkt des Abends. Bei einer Ehrungsveranstaltung darf es das nicht sein. Die Menschen, die dort vorne stehen, haben zwanzig Jahre Jugendarbeit oder dreißig Jahre Feuerwehr hinter sich. Alles, was ihnen die Aufmerksamkeit nimmt, ist falsch – egal wie gut es ist.
Die vier Anlässe, um die es meistens geht
Der Bürgerempfang mit Ehrungen. Meist ein Abend im Herbst oder im Winter, Saal oder Bürgerhaus, Grußworte, Laudationes, Urkunden, danach Empfang mit Getränken und Häppchen. Der kritische Teil ist die Stunde nach den Ehrungen.
Der Neujahrsempfang. Ähnlicher Aufbau, andere Stimmung: Rückblick, Ausblick, Rede des Bürgermeisters oder der Bürgermeisterin, oft ein Gastredner. Hier ist der Empfangsteil länger und gehört zum Zweck – man will, dass die Leute miteinander reden.
Das Stadt- oder Partnerschaftsjubiläum. Die Ausnahme: ein Anlass, der tatsächlich ein Programm verträgt, weil gefeiert und nicht geehrt wird. Oft mehrtägig, oft mit Delegationen aus der Partnerstadt – und damit regelmäßig mit Gästen, die kein Deutsch sprechen.
Die Verabschiedung oder Amtsübergabe. Ein Mensch steht im Mittelpunkt, der Saal ist voller Menschen, die mit ihm gearbeitet haben. Hier gilt dasselbe wie bei der Ehrung: Alles, was von dieser Person ablenkt, ist falsch. Aber man kann diese geschickt mit einbeziehen und zum Star machen.
Wann ein Showprogramm fehl am Platz ist
Wenn die Ehrung im Zentrum steht und der Abend kurz ist. Ein Empfang, der um 18 Uhr beginnt und um 20 Uhr endet, mit sieben Ehrungen und drei Grußworten, braucht kein zusätzliches Programm. Er braucht gutes Timing und jemanden, der die Übergänge moderiert.
Wenn der Anlass ernst ist. Gedenkveranstaltungen, Empfänge nach Unglücken oder für Einsatzkräfte in schwierigen Lagen: Hier ist Unterhaltung nicht deplatziert, weil sie schlecht wäre, sondern weil sie die Tonlage bricht.
Ein Anbieter, der Ihnen das nicht sagt, denkt an seinen Kalender und nicht an Ihre Veranstaltung. Woran man das sonst noch erkennt, habe ich in Woran erkenne ich einen guten Mentalisten? aufgeschrieben.
Was im Empfangsteil tatsächlich funktioniert
Bleibt der Fall, um den es meistens geht: Der offizielle Teil ist vorbei, zweihundert Menschen stehen mit einem Glas im Saal, und der Abend soll nicht in zwanzig Minuten vorbei sein.
Das Format ist die eigentliche Entscheidung. Eine Bühnenshow verlangt, dass sich alle setzen, still werden und nach vorn schauen – im Empfangsteil ist das ein Rückschritt. Sie haben die Menschen gerade erst zum Reden gebracht. Was dort funktioniert, ist das Gegenteil: Ich gehe von Gruppe zu Gruppe, arbeite fünf bis zehn Minuten mit fünf bis zwölf Personen, und gehe weiter. Kein Mikrofon, kein Licht, keine Unterbrechung.
Der Effekt ist nicht die Verblüffung, sondern das Gespräch danach. Vier Menschen, die sich nicht kannten, haben gerade gemeinsam etwas erlebt, das sie nicht erklären können. Darüber reden sie – erst miteinander, dann mit den Nächsten. Genau der Anschluss, den ein Empfang braucht und den ein Glas Wein allein nicht herstellt. Warum das so zuverlässig funktioniert, habe ich in Warum Gäste Erlebnisse statt Programmpunkte in Erinnerung behalten ausführlicher beschrieben.
Die Geehrten bleiben im Mittelpunkt. Das lässt sich im Programm abbilden: Wer an diesem Abend geehrt wurde, ist derjenige, mit dem ich gerne und oft zuerst arbeite. Nicht als Aufhänger für einen Gag, sondern als Fortsetzung der Aufmerksamkeit, die die Urkunde gerade hergestellt hat.
Sprache ist lösbar. Bei Partnerschaftsjubiläen und internationalen Delegationen funktioniert Mentalmagie auch dann, wenn nicht alle dieselbe Sprache sprechen – ein großer Teil davon läuft über Handlung und Reaktion, nicht über Text. Ich spiele auf Deutsch und auf Englisch.
Was der Raum können muss – und was nicht
Bürgerhäuser, Ratssäle, Foyers und Stadthallen sind selten für Shows gebaut. Für einen Walking Act ist das kein Problem: Ich brauche kein Licht, keine Tontechnik und keine Bühne. Ich brauche Gäste, die stehen oder sitzen, und genug Platz, um dazwischenzukommen.
Kritisch sind nur zwei Dinge. Erstens die Lautstärke: Wenn eine Band spielt oder die Akustik einer Sporthalle jedes Wort schluckt, wird es anstrengend. Zweitens die Sichtachsen, sobald doch ein Bühnenteil geplant ist – in langen, schmalen Sälen sieht die hintere Hälfte nichts, was auf Tischhöhe passiert.
Geld, Haushalt und die Frage, wie man das begründet
Wie sich zumindest bei mir der Preis zusammensetzt und wovon er abhängt, steht in Was kostet ein Mentalist für die Firmenfeier?.
Zwei Punkte, die bei öffentlichen Auftraggebern zusätzlich wichtig sind:
Die Künstlersozialabgabe. Wer selbstständige Künstler beauftragt, ist in der Regel abgabepflichtig; der Abgabesatz liegt 2026 bei 4,9 Prozent. Kommunen sind das gewohnt, aber es sollte im Angebot sichtbar sein. Bitte prüfen Sie den jeweils geltenden Satz – ich bin weder Steuerberater noch Jurist und kann dazu nur den Hinweis geben, keine Auskunft.
Die Begründung im Haus. Nach meiner Erfahrung trägt die inhaltliche Begründung weiter als die Unterhaltungsbegründung: Ein Empfang, bei dem Menschen aus verschiedenen Teilen der Stadtgesellschaft tatsächlich ins Gespräch kommen, erfüllt seinen Zweck. Ein Empfang, bei dem alle nach zwanzig Minuten gehen, nicht. Der Programmpunkt zahlt auf das Erste ein – das ist erklärbar, auch im Hauptausschuss.
Fünf Angaben, und ich kann Ihnen sagen, ob es passt
Wenn Sie anfragen, helfen mir diese fünf Punkte:
- Anlass und Datum – Bürgerempfang, Jubiläum, Neujahrsempfang, Verabschiedung
- Ort und Raum – Bürgerhaus, Ratssaal, Halle, Foyer; mit oder ohne Bühne
- Ungefähre Gästezahl und wer kommt (Geehrte, Rat, Vereine, Presse, Delegationen)
- Zeitfenster – wann endet der offizielle Teil, wie lange soll der Abend gehen
- Was Sie erreichen wollen – soll der Abend länger tragen, sollen Gruppen sich mischen, soll eine bestimmte Gruppe im Mittelpunkt stehen oder soll doch eine Bühnenshow den offiziellen Teil eröffnen und Atmosphäre aufbauen.
Für Kommunen, die schon mit mir gearbeitet haben
Zu meinen Auftraggebern gehört die Stadt Straelen am Niederrhein. Hier war ich beispielsweise mit meiner Bühnenshow für eine Ehrung von ehrenamtlichen Mitgliedern und Bürger der Stadt unterwegs. Dies ist zwar im Vergleich zum Hauptzweck dieses Artikels kein Unterhaltungsact NACH dem offiziellen Teil, um Mitglieder am Reden zu halten, allerdings war dies ein wunderbares Mittel, um am Ende des offiziellen Teils die Stimmung weiter zu lockern, Atmosphäre aufzubauen und dann mit einem schönen Gefühl in den zweiten Teil des Abends, nach den offiziellen Reden und Übergaben der Urkunden, zu übergeben.
Mein Sitz ist im Rheinland, mein Kerngebiet ist ganz Deutschland – für Städte und Gemeinden in NRW und Rheinland-Pfalz sind die Wege kurz. Mehr zu meinem Werdegang und zu meinen Auftraggebern steht auf Über Florian Dolar.
Häufige Fragen
Passt Mentalmagie überhaupt zu einem offiziellen Anlass? Ja, wenn sie an der richtigen Stelle steht. Im Empfangsteil nach dem Protokoll funktioniert sie gut, weil sie Gespräche startet.
Brauchen wir eine Bühne oder Technik? Für einen Walking Act nicht. Für ein Bühnenprogramm brauche ich ein Mikrofon und eine Fläche, auf die alle Gäste sehen können.
Funktioniert das auch, wenn Gäste aus der Partnerstadt dabei sind und kein Deutsch sprechen? Ja. Ich spiele auf Deutsch und Englisch, und ein großer Teil der Wirkung entsteht ohnehin über Reaktionen und nicht über Sprache. Dies zählt für Walking-Acts. Bei einer Bühnenshow besprechen wir vorab, auf welcher Sprache diese durchgeführt wird.
Wie lange vorher sollten wir anfragen? Für Termine im Herbst und Winter möglichst im Sommer – das sind die vollsten Monate. Kurzfristige Anfragen sind trotzdem willkommen: Manchmal passt es einfach.
Sie planen einen Empfang, eine Ehrung oder ein Jubiläum? Schreiben Sie mir Anlass, Ort, Datum und die ungefähre Gästezahl – Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung, ob und in welcher Form ein Programmpunkt Ihren Abend besser macht. Zu den Formaten: Mentalist für Firmenevents und Veranstaltungen.
Über den Autor
Ich bin Florian Dolar, Mentalist für Bühnenshows, Walking Acts und Hypnose-Shows bei Firmen- und Privatevents deutschlandweit. Meine Leidenschaft für die Mentalmagie habe ich zu meinem Beruf gemacht, weil ich es liebe, Menschen zu begeistern und Erwachsene für einen Moment wieder zum Staunen zu bringen. Ich trete auf Deutsch und Englisch auf.