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Gedankenspiele

Das Magazin für gelungene Veranstaltungen

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Was funktioniert, wenn nicht alle dieselbe Sprache sprechen

Hochzeitsgästin lacht während einer Close-Up-Vorführung von Mentalist Florian Dolar

Unterhaltung für internationale Gäste

Wenn Sie als Office Managerin, im Eventmarketing oder in der Assistenz der Geschäftsführung eine Abendveranstaltung planen, bei der Gäste aus mehreren Ländern zusammenkommen, kennen Sie den Moment: Das Programm steht, die Location ist gebucht – und dann fällt auf, dass die Hälfte der Gäste dem Ganzen sprachlich nicht folgen kann. Diese Frage kommt meist spät, weil sie bei der Programmauswahl niemand auf dem Zettel hat. Ich schreibe diesen Artikel aus der Perspektive des Künstlers, der abends im Raum steht: Was funktioniert wirklich, wenn nicht alle dieselbe Sprache sprechen – und was funktioniert nur auf dem Papier.

Warum scheitern klassische Programmpunkte bei internationalem Publikum?

Weil die meisten Programmpunkte nicht nur Sprache voraussetzen, sondern gemeinsamen kulturellen Kontext.

Comedy ist das deutlichste Beispiel. Eine Pointe funktioniert über Timing und geteilte Referenzen. Wer eine halbe Sekunde später versteht, lacht nicht mehr mit, sondern beobachtet, wie die anderen lachen – und das ist eine unangenehme Erfahrung. Quiz-Formate sind doppelt betroffen: Die Fragen müssen verstanden werden, und das abgefragte Wissen ist fast immer kulturell geprägt. Moderationen leben von Anspielungen auf das Unternehmen, die Branche, den Tag.

Der Punkt, der in der Planung regelmäßig unterschätzt wird: Ihre internationalen Gäste sprechen mit hoher Wahrscheinlichkeit gutes Englisch. Aber Business-Englisch und Comedy-Englisch sind zwei verschiedene Dinge. Jemand, der eine Verhandlung souverän auf Englisch führt, kommt bei schnellem Wortwitz oder Dialekt nicht mit. Die Sprachfähigkeit ist also da – sie reicht nur für das gewählte Format nicht aus.

Welche Programmpunkte funktionieren ohne gemeinsame Sprache?

Alles, dessen Wirkung über Bild, Musik, Bewegung oder sichtbare Reaktion entsteht statt über Text.

Grob sortiert nach Sprachabhängigkeit:

  • Stark sprachabhängig: Comedy, Kabarett, Quiz, moderierte Spiele, Vorträge, klassische Abendmoderation
  • Teilweise sprachabhängig: Zauberei mit erzählerischem Aufbau, Improvisationstheater, jede Form von Ansage
  • Kaum sprachabhängig: Live-Musik, Artistik, Lichtshow, visuelle Walking Acts
  • Sonderfall: Mentalmagie – dazu gleich mehr

Ein ehrlicher Hinweis zur mittleren Gruppe: Rein visuelle Formate lösen das Sprachproblem zuverlässig, erzeugen aber wenig Beteiligung. Artistik und Lichtshows werden angeschaut. Die Gäste sind beeindruckt, und zwanzig Minuten später reden sie über etwas anderes. Wenn das Ziel lautet, dass Ihre Gäste am nächsten Tag noch über den Abend sprechen, brauchen Sie ein Format, in dem sie selbst vorkommen.

Warum funktioniert Mentalmagie auch bei gemischtem Publikum?

Weil der Effekt nicht in der Formulierung liegt, sondern in dem, was sichtbar im Raum passiert.

Ein Gast denkt an ein Wort, an eine Zahl, an eine Person. Ich benenne es. Was danach im Gesicht dieses Gastes passiert, versteht jeder im Raum – unabhängig davon, wie gut er der Sprache folgt. Die eigentliche Pointe ist nicht mein Satz, sondern die Reaktion des Gastes. Und Verblüffung ist sprachunabhängig.

Sprache ist bei Mentalmagie der Rahmen, nicht der Inhalt. Ich brauche sie, um eine Aufgabe zu erklären und einen Bogen zu spannen. Der Moment selbst trägt sich ohne sie. Das ist ein struktureller Vorteil gegenüber allen Formaten, die auf einer gesprochenen Pointe enden – und der Grund, warum internationale Gäste hier nicht nur mitkommen, sondern aktiv beteiligt sind. Warum Beteiligung überhaupt so viel ausmacht, habe ich ausführlicher in meinem Beitrag darüber beschrieben, warum Gäste Erlebnisse statt Programmpunkte in Erinnerung behalten.

Deutsch oder Englisch – wie entscheide ich das für den Abend?

Bei der Bühnenshow legen wir vorab eine Sprache fest, beim Walking Act entscheide ich pro Tisch.

Für die Bühne gibt es dazu keine sinnvolle Alternative. Ein Wechsel zwischen zwei Sprachen erzeugt eine Übersetzungssituation, und die zerstört jedes Tempo: Jeder Gedanke wird zweimal gesagt, die Spannung bricht in der Mitte, und beide Sprachgruppen warten jeweils die Hälfte der Zeit. Meine Faustregel: Sobald ein relevanter Teil der Gäste kein Deutsch spricht, spiele ich die Show komplett auf Englisch. Deutschsprachige Gäste folgen einer englischen Show meistens problemlos – umgekehrt gilt das nicht. Die Entscheidung ist damit weniger knapp, als sie zunächst aussieht.

Beim Walking Act ist die Lage anders, weil ich es dort nicht mit einem Publikum zu tun habe, sondern mit fünfzehn kleinen Gruppen, die unterschiedlich zusammengesetzt sind.

Wie läuft ein Walking Act bei gemischten Tischen konkret ab?

Ich beginne jeden Tisch auf Englisch und frage nach zwei, drei Sätzen kurz nach, welche Sprache angenehmer ist.

Der englische Opener ist bewusst gewählt. Gemischte Gruppen reden untereinander ohnehin meist Englisch – ich treffe also die Sprache, die am Tisch gerade sowieso gesprochen wird. Und die Fehlerkosten sind asymmetrisch: Wer auf Deutsch angesprochen wird und nicht folgen kann, ist ausgeschlossen, bevor überhaupt etwas passiert ist. Das lässt sich nicht mehr reparieren. Der Wechsel ins Deutsche kostet dagegen einen halben Satz.

Die Rückfrage selbst dauert Sekunden und ist Teil der Begrüßung. Danach läuft alles in der Sprache, die für diesen Tisch passt. Für Sie als Planerin bedeutet das: Sie müssen die Sitzordnung nicht nach Sprachen sortieren und mir keine Liste vorbereiten. Das regelt sich am Tisch.

Funktioniert auch eine Hypnose-Show auf Englisch?

Ja, das habe ich auch schon gemacht – aber Hypnose ist von meinen Formaten das sprachabhängigste.

Der Grund liegt in der Mechanik: Anleitungen an die Freiwilligen müssen präzise und ohne Verzögerung verstanden werden. Wer erst übersetzt und dann reagiert, ist nicht in dem Zustand, in dem eine Hypnose-Show funktioniert. Bei Gruppen mit sicherem, alltäglich genutztem Englisch ist das unproblematisch. Wenn das Sprachniveau im Raum aber sehr heterogen ist, empfehle ich eher Mentalmagie – nicht, weil es nicht ginge, sondern weil das Risiko unnötig ist, wenn eine robustere Alternative bereitsteht. Diese Einschätzung gebe ich Ihnen im Vorgespräch offen, statt einfach zu verkaufen, was Sie angefragt haben.

Wie war das in der Praxis?

Ein Beispiel, das die Bandbreite gut zeigt: Bei einer internationalen Federation trat ich vor rund 80 Gästen auf – Geschäftsführer und Management-Mitarbeitende aus ganz Europa, unter anderem aus Deutschland, Frankreich, Spanien, Norwegen, Schweden, Griechenland, Polen und Portugal.

Der Abend bestand aus einer 30-minütigen Bühnenshow und zwei Stunden Walking Act. Die Bühnenshow lief komplett auf Englisch, ohne einen einzigen deutschen Satz. Beim Walking Act landete ich bei etwa 80 Prozent Englisch – der Rest ergab sich an den Tischen, an denen ohnehin deutsch gesprochen wurde.

Die interessante Beobachtung daran: Bei einem so heterogenen Publikum war Englisch nicht der kleinste gemeinsame Nenner, sondern der funktionierende Standard. Niemand empfand es als Kompromiss. Genau das ist der Unterschied zu einem zweisprachig moderierten Abend, bei dem beide Gruppen dauernd merken, dass gerade nicht sie gemeint sind.

Woran erkenne ich, ob ein Künstler wirklich englischsprachig auftreten kann?

Fragen Sie nicht, ob er Englisch spricht, sondern ob er auf Englisch aufgetreten ist – und lassen Sie sich das konkret beschreiben.

Fünf Fragen, die in der Anfrage schnell Klarheit schaffen:

  1. Bei welchem Anlass und vor wie vielen Gästen war das? Eine konkrete Antwort mit Zahl und Kontext ist ein anderes Signal als „ja, kein Problem“.
  2. Ist die Show auf Englisch konzipiert oder wird sie übersetzt? Eine schlecht übersetzte Show verliert Rhythmus und Wortspiel. Man merkt es sofort.
  3. Wie gehen Sie mit gemischten Tischen um? Wer darauf keine praktische Antwort hat, hat die Situation noch nicht gehabt.
  4. Können Sie auf englische Zwischenrufe reagieren? Das ist der eigentliche Test. Ein auswendig gelernter Text bricht in dem Moment zusammen, in dem ein Gast unerwartet antwortet – und bei Publikumsbeteiligung passiert das ständig.
  5. Welche Ihrer Formate bieten Sie auf Englisch an – alle oder nur eines? Ein Künstler, der eine Bühnenshow auf Englisch spielt, aber im Walking Act nur Deutsch kann, deckt Ihren Abend nur zur Hälfte ab.

Was das für Ihre Planung bedeutet

Wenn internationale Gäste erwartet werden, gehört die Sprachfrage nicht ans Ende der Programmplanung, sondern an den Anfang – sie schließt bestimmte Formate schlicht aus. Der zweite Punkt ist Vorlauf: Künstler, die international einsetzbar sind, sind ein kleinerer Kreis und entsprechend früher ausgebucht. Wie viel Vorlauf realistisch ist, habe ich in meinem Beitrag dazu beschrieben, wann man den Showact für eine Firmenfeier buchen sollte.

Ich spiele sowohl meine Bühnenshow als auch den Walking Act vollständig auf Englisch, und ich habe beides mehrfach vor internationalem Publikum gemacht. Wenn Sie einen Abend planen, bei dem mehrere Sprachen im Raum sind, sprechen Sie mich gern an – auch dann, wenn Sie noch nicht sicher sind, welches Format zu Ihrer Veranstaltung passt. Häufig lässt sich das in einem kurzen Gespräch klären.

Alles Weitere zu Formaten, Ablauf und Rahmenbedingungen finden Sie auf meiner Seite zum Mentalisten für Firmenevents. Wenn Sie zusätzlich eine Einordnung suchen, welche Faktoren bei der Kalkulation eines Showacts eine Rolle spielen, hilft Ihnen der Beitrag Was kostet ein Mentalist für die Firmenfeier? weiter.

Über den Autor

Ich bin Florian Dolar, Mentalist für Bühnenshows, Walking Acts und Hypnose-Shows bei Firmen- und Privatevents deutschlandweit. Meine Leidenschaft für die Mentalmagie habe ich zu meinem Beruf gemacht, weil ich es liebe, Menschen zu begeistern und Erwachsene für einen Moment wieder zum Staunen zu bringen. Ich trete auf Deutsch und Englisch auf.